Beiträge von Sura im Thema „Zar Putin und die Krim Tataren“

    Ich sollte mir wohl angewöhnen, ab und an mal ins Small-Talk
    Forum zu schauen.


    Vorab: Ich habe die Beiträge eben beiläufig gelesen (nicht genau) und mir keine
    Links angeschaut.


    Was mich persönlich an der Ukraine Krise stört, ist - und hier passen die meisten
    Beiträge nahezu perfekt als Beispiel - die einseitige Perspektive, in der
    Russland als schlecht dargestellt wird.


    Man kann sehr kritisch hinterfragen, inwieweit sich das politische System in
    Moskau bewährt und wie gerecht es ist, doch, wie bereits Churchill sagte:
    "Die Demokratie ist die schlechteste aller Staatsformen, ausgenommen alle
    anderen", deshalb ist es wichtig, dass man die Demokratie nicht als
    einzige Form sieht und alles andere per Definition verteufelt.


    Irgendwer von euch ist darauf herumgeritten, dass Deutschland doch nur
    "Sklave" der USA/EU sei. Angenommen dieses Bild stimmt, dann kann man
    auch sagen, dass ein so nahestehendes, bis vor kurzem verbündetes Land wie die
    Ukraine, so gesehen Russlands Sklave sei. Das würde erklären, wieso sich Russland
    gegen die 'Befreiung' der Ukraine zu Wehr setzt. In deinem Bild würde die USA
    etwas Ähnliches machen, wenn sich Deutschland Russland angenähert hätte/nicht
    mehr der US/EU Politik folgen würde.


    Ich persönlich verurteile die Politik der Nato nach Ende des kalten Krieges
    sehr. Wie kommt man auf die hirnrissiche Idee, die Grenze, welche vorher durch
    Deutschland verlief, nun nach und nach direkt nach Russland zu verlegen?! Keine
    Supermacht/ehemalige Supermacht wird je bereit sein, dass zu tolerieren. Würden
    die USA es zulassen, wenn Russland, sollten sie hypothetisch Hawaii aus
    Kostengründen ausschließen müssen, sich dort breit macht und Raketen aufstellt?
    Wohl kaum!


    Ich verstehe einfach nicht, weshalb man den Puffer, welcher durch die
    osteuropäischen Länder repräsentiert wurde, sich einverleibt hat. Diese Taktik
    wäre zu Zeiten des kalten Krieges durchaus plausibel, aber dieser ist doch
    vorbei?! Dadurch musste sich zwangsläufig eine massive Provokation Russlands
    ergeben.


    Wie kann man glauben, dass es ungestraft bleiben kann, den Russen das Land zu
    nehmen mit einem der wichtigsten Häfen für Sie (der nicht jeden Winter
    zufriert)?


    Stellt euch hier einfach ein verwundetes Tier vor, dass Ihr immer mehr in die
    Enge treibt und isoliert. Wer hat denn da vergessen, dass Russland sich wehren
    kann? Das Land hat zwar nur altes Kriegsgerät, aber viele Menschen, die sie
    bereit sind, ggf. zu opfern. Außerdem bleibt die Finale Drohoption der ABC
    Waffen immer bestehen, weswegen es fast unmöglich ist, ein solches Land zu
    besiegen.


    Im Falle eines Krieges, welcher sehr unwahrscheinlich ist, würde Russland
    versuchen den Nachschub der Nato abzuschneiden (viel Kriegsgerät existiert,
    aber es befindet sich in den USA). Heutzutage gibt es nicht mehr so viele
    Transportschiffe wie zu Zeiten des 2. Weltkrieges, in dem es nicht so schlimm
    war, wenn ein U-Boot mal eins versenkte. Die Frage, ob moderne Kriegsschiffen,
    modernen mit Raketen bestückten Bombern überlegen sind, ist bislang nicht
    praktisch erprobt und darf durchaus bezweifelt werden. Es wird hier vor allem
    auf die Taktik des jeweiligen Angreifers/Verteidigers ankommen und beide Seiten
    würden herbe Verluste hinnehmen müssen. Also würde Russlands primäres Ziel
    sein, weite Teile Europas zu erobern und dann aus der neuen Position Frieden zu
    schließen. Doch Frieden würde sich immer unter der Drohung des Einsatzes
    nuklearer Waffen erzwingen lassen, egal wie verzweifelt die Lage auch sei.


    Wer auch immer sagt, dass Russland sich falsch verhält, hat recht, sollte sich
    aber auch vor Auge führen, wo wir, das heißt die Nato und ins Besondere die USA
    sich absolut falsch verhalten (Afghanistan, Irak, ...). Gerade die Politik der
    USA in diesen Ländern darf mal aus Eigeninteresse hinterfragt werden. Wer
    glaubt Ihr wird es abbekommen, wenn radikalisierte Gläubige sich dagegen wehren
    wollen? Wir, die wir verhältnismäßig nah an den Ländern liegen, oder die USA
    die den Atlantik dazwischen haben?!


    Doch Unabhängig von diesen Überlegungen bleibt zu sagen, dass ein Krieg sehr
    unwahrscheinlich ist. Denn dieser würde Wirtschaftlich katastrophale
    Auswirkungen auf alle Beteiligten haben. Deutschland exportiert viel in
    Richtung Russland, ins Besondere decken wir den kompletten Bedarf an LKWs der
    Russen. Russland hält viele Milliarden an Währungsreserven in Form von Dollar
    und hat auch US Staatsanleihen.


    Natürlich reicht es nicht aus, diese abzustoßen, um den USA einen
    mittelfristigen Schaden zuzufügen, doch es könnte andere Länder kritisch
    hinterfragen lassen, ob man weiterhin den Dollar als gängige Reserve halten
    sollte. Das wiederum könnte die USA in den Staatsbankrott treiben. Die Russen
    möchten und müssen aber auch Ihr Gas verkaufen um nur ein paar der Verzahnungen
    aufzuzählen, welche gegen reale Sanktionen und Kriege sprechen.


    Vermutlich wird einzig und allein die Ukraine als Verlierer aus der Krise
    hervorgehen, die anderen werden sich geschickt aus der Affäre ziehen.


    Vergesst auch nicht, dass Putin zwischenzeitlich Direktor
    des FSB war. Dieser Mann weiß, wie politische Machtspiele gespielt werden!



    Ich hoffe hiermit dem ein oder anderen ein paar neue Ideen
    vermittelt zu haben, die zu einer objektiveren Einschätzung der Lage in der
    Ukraine verhelfen kann.